Samstag, 24. Februar 2018
Athen
Ich hatte eine Zeit lang keine Lust zu bloggen bzw. die Texte online zu stellen. Hier ein Text vom 17.2.18:

So, ich sitze mal wieder im Zug Richtung Osteuropa. Ich hab keinen Sitzplatz mehr bekommen, sitze trotzdem, aber halt auf dem Boden.

Das alte Kinderkrankenhaus, was die letzten Jahre eine Art Willkommenszentrum für Flüchtlinge war, wird in Zukunft ein Hostel. Das Projekt Welcommon( der Name des Zentrums) war ein bisschen strukturiert wie ein Berufsbildungswerk. Anstatt abgehängten oder beeinträchtigten Jugendlichen wurden ganzen Familien unter die Arme gegriffen. Drei bis sieben Monate lebten die Familien im Zentrum und danach sollten sie möglichst einen Job gefunden haben und einigermaßen griechisch Sprechen.

Das hat natürlich nicht nur selten erfolgreich funktioniert, aber es ist besser als nichts.

Hier ist mal eine kurze Geschichte von einer Bewohnerin des Zentrums:
Eine Frau, die derzeit noch im Zentrum wohnt, ist aus dem Iran geflüchtet, weil ihr Sohn krank ist. Der kleine Mann (4 Jahre alt) hat immer ein kreidebleiches Gesicht und hat chronischen Dauerschnupfen. Was genau er für eine Krankheit hat, hab ich nicht verstanden. Aufjedenfall konnten sie mit ihrem Sohn im Iran nicht zum Doktor gehen, weil sie zur afghanischen Minderheit im Iran gehören und sie somit keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben.
Ihr Mann ist übrigens Profikickboxer.

Wie in jeder Stadt sind auch die Mieten in Athen ziemlich hoch. Dadurch, dass zunehmend mehr Flüchtlinge und mehr Griechen Obdachlos werden gibt es in Athen anscheinend um die 20 besetzte Häuser. Die Leute warnen dich nach 18:00 Uhr in die Parks zu gehen, da diese sich in den letzten Jahren zu "Ghettos" entwickelt haben sollen. Die Stadt brodelt regelrecht vor Konflikten.

Ich weiß nicht ob die Stadt schon längst explodiert ist oder die große Explosion noch kommt.

Jetzt geht es also wieder in das beschauliche Sofia für ein paar Tage. Dort kann man wieder Leitungswasser trinken. JuHuuu. Und dann gibt es ein paar interessante Optionen für den März. Die müssen aber dann auch klappen, sonst würde ich ein Jahr in  Deutschland arbeiten um die Kasse aufzufüllen.

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Dienstag, 13. Februar 2018
Athen
Ich bin immer noch in Athen. Die Frage ist halt, wie lange noch. Leider muss ich feststellen, dass die griechische Hauptstadt mir  einfach zu laut und zu eng ist auf Dauer. Der ruhigste Bereich ist tatsächlich der Park um die Akropolis herum.

Da das Projekt Ende Februar eh ausläuft, bin ich auf der Suche nach was Neuem und es ist schon etwas in Aussicht, würde bloß wieder viel reisen bedeuten.

Ich hab in den Parks hier etwas lustiges entdeckt. Es sitzen dort viele Gruppen alter Rentner herum und spielen Schach. Also zwei Leute spielen gegeneinander und noch drei stehen daneben und schauen gespannt zu.

Ich hatte ja versucht einen Job zu finden, bin aber kläglich gescheitert. Mir wurde gesagt, dass in der Sommerzeit Jobs zu finden wären, aber die fängt erst im April an. Ist aber dann aber auch schlecht bezahlt. Bei Vollzeit so um die 500 Euro herum. Und sehr viele Griechen sind schon arbeitslos, das macht die Sache nicht leichter.

Allerdings war Griechenland ja vor ein paar Jahrhunderten eine Weltmacht, vielleicht werden sie es ja Mal wieder. Und dann komme ich zurück und finde auch nen Job.

Als Claudia Roth das Projekt besucht hatte, war auch der deutsche Botschafter da. Der war Anfang vierzig, hatte graue Haare und aus seinem Gesicht war schon jedliche Lebensfreude verschwunden. Hab länger mit dem geredet und gleich mal nachgefragt wie man den deutscher Botschafter im Ausland wird. Er hat erzählt, man brauche keine besondere Qualifikation, man muss nur das Auswahlverfahren positiv bestreiten. Zwei Fremdsprachen muss man halt halbwegs gut können und schon landet man im Auswärtigen Amt. Und dann wird man um den Globus geschickt.

Das Gespräch war allerdings sehr anstrengend, weil er ewig lange Antworten gegeben hat, ohne zu antworten. Das ist furchtbar, wahrscheinlich kann der deutsche Verwaltungsbeamte einfach nicht anders. Im Privatleben würde es dann so aussehen:
"Was gibt es heute zum Abendessen?" Die Antwort des Botschafters: " Essen ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Es gibt drei Mahlzeiten am Tag. Das Abendessen ist traditionell die letzte Mahlzeit des Tages in Deutschland. Gewöhnliche Gerichte zum Abendessen in Deutschland sind z.B. Spaghetti Bolognese oder Kartoffelbrei mit ein paar Wienern. Das Abendessen findet oft in Gemeinschaft statt......". Am Ende wurde das Gegenüber erfolgreich totgequatscht.

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Samstag, 10. Februar 2018
Claudia
Bin mittlerweile seit drei Tagen in Athen. Ich wohne direkt in der Stadtmitte, 15 min zu Fuß entfernt von der Akropolis in einem alten Kinderkrankenhaus, hab dort sogar ein Einzelzimmer.

Das Kinderkrankenhaus wurde vor zwei oder drei Jahren renoviert und dann sind dort Flüchtlinge eingezogen. Bis Ende Februar müssen allerdings alle Flüchtlinge wieder ausziehen, weil die Unhcr und die griechische Regierung die Gelder eingestellt haben. Derzeit ist das alte Kinderkrankenhaus
auch schon nur noch zu einem Viertel besetzt.

Wegen der Situation hat sogar die Vizepräsidentin des deutschen Bundestages, Claudia Roth, das Projekt vorgestern besucht. Da bin ich zwei Tage in Athen und plötzlich steht Claudia Roth vor einem und fragt: " Wie sind Sie hier hergekommen?", und dann stellt sie mich zwei Minuten später noch den ganzen Publikum um sie herum mit "das ist mein Deutschland" vor.

Direkt neben meiner Unterkunft ist eine Fußgängerzone mit zahlreichen Kneipen, Diskotheken und ganze wichtig: Gryros/ Döner Buden. Das hat allerdings den Nachteil, dass ich ziemlich viel Geld ausgebe, ungesund esse und zuviel Alkohol konsumiere. Am Donnerstag war in der besagten Fußgängerzone eine richtig gute Atmosphäre, aus den Bars kam Livemusik und auf den Straßen wurde gegrillt. Heute regnet es leider.

Für die Unterkunft muss ich von Montag bis Freitag am Nachmittag Deutschunterricht anbieten. Das wars, eine Stunde am Tag. Danach biete ich nur noch Brett- oder Kartenspiele an für die Flüchtlingskinder, die allerdings schon nächste Woche ausziehen müssen. Deshalb habe ich mir gedacht, mir einen Job in einer Bar zu suchen in Athen, allerdings habe ich bei bisher zehn Anfragen immer eine Absage bekommen. Mal schauen wie lang das Projekt noch so läuft, vielleicht ist hier Ende Februar auch schon Schicht im Schacht. Und dann? Keine Ahnung...

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